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 Editorial
Daten als Grundlage für Entscheidungen, seit 150 Jahren
Lieber Leserinnen und Leser
Als vor 150 Jahren das Statistische Amt des Kantons Zürich gegrün- det wurde, lebten gerade mal 250000 Menschen im Kanton. Heute sind es 1,5 Millionen. In der Petition an die Kantonsregierung zur Schaffung einer statistischen «Centralstelle» hiess es damals: «Eine Menge von Vorurteilen, wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Berechnungen und Beweisen müssen fallen vor den auf die Wirklich- keit der Tatsachen aufgestellten Zahlen.»
Das Statistische Amt hat den Auftrag, diese auf der Wirklichkeit der Tatsachen aufgestellten Zahlen zu liefern. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Zürcherinnen und Zürcher durchschnittlich 31 Kilometer pro Tag zurücklegen? Da ist es auch nicht erstaunlich, dass rund 6,5 Prozent der Fläche des Kantons dem Verkehr dienen. Industrie und Gewerbe belegen gerade einmal 1,5 Prozent der Fläche, und trotzdem sind im Kanton Zürich eine Million Menschen beschäftigt.
Jährlich werden im Kanton Zürich 7000 neue Unternehmen gegrün- det – dies ist fast ein Fünftel aller Neugründungen in der Schweiz. Gehen wir noch einen Schritt weiter: Das Schweizer Start-up-Öko- system wäre ohne Zürich nicht dasselbe, denn die Hälfte aller Top- 100-Start-ups ist in Zürich ansässig. Daten und Analysen sind als Entscheidungsgrundlagen mitentscheidend für den Erfolg dieser Unternehmen.
Früher wurde gezählt und vermessen, um der Öffentlichkeit Zahlen zur Verfügung zu stellen. Vielleicht erinnern Sie sich an die Volks- zählung, die in der Schweiz alle zehn Jahre durchgeführt wurde. Das letzte Mal fand diese 2010 statt. Heute nutzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Statistischen Amts modernste Technologien, um der Wirtschaft und der Politik diese Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung zu stellen. Wir nutzen wo immer möglich bereits be- stehende Datenquellen. Ein grosser Teil der Daten stammt aus Re- gistern (beispielsweise Einwohner-, Gebäude-, Handels- oder Steu- erregister). Programmierbare Schnittstellen erlauben es uns, die Daten sogar in Echtzeit zu beziehen und zu analysieren.
Sie erleben es bestimmt auch in Ihrem eigenen Berufsfeld – immer mehr Dienstleistungen werden digitalisiert. Damit fallen immer mehr Daten an. Hier ein paar Beispiele aus unserem Umfeld:
Um zu wissen, wieviele Airbnb-Angebote es im Kanton Zürich gibt (es sind rund 4500), muss keine Bevölkerungsbefragung durchge- führt werden. Wir haben dazu einen kleinen Roboter programmiert, einen sogenannten Webscraper, der diese Daten aus dem Internet liest und in unsere Datenbank schreibt.
Die eingangs erwähnte Verkehrsfläche wird mit Hilfe von Machine Learning aus Satellitenbildern erhoben, und Sensoren in den Stras- sen helfen, das Verkehrsverhalten zu analysieren.
Nicht nur die Erhebung der Daten hat sich grundlegend verändert, sondern auch die Kommunikation rund um die Daten. Vor 20 Jahren waren lediglich 31 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher mehrmals pro Woche online, mittlerweile sind es – wen wundert es – über 90 Prozent.
War früher das Jahrbuch der einzige Weg, ein breites Publikum zu erreichen, sind wir heute auf unterschiedlichen Kanälen mit der Öffentlichkeit im Austausch. Dabei ist es uns ein besonderes Anlie- gen, das Verständnis für den Umgang mit Daten und Statistiken, die sogenannte Data Literacy, zu fördern.
Wir geben Kurse an Hochschulen und Universitäten, halten Vorträge an Gymnasien und tauschen uns über soziale Medien aus. Jedes Jahr bieten wir zwei Praktika für Hochschulabsolventinnen und - ab- solventen an, damit sie in diesem zukunftsträchtigen Berufsbild Fuss fassen können.
Sie sehen, unsere Mission bleibt die gleiche: Wir liefern immer noch unabhängige Fakten zum wirtschaftlichen und sozialen Geschehen im Kanton. Wie wir unseren Auftrag erfüllen, ändert sich ständig. Rasche Anpassung an ein sich wandelndes Umfeld ist für viele Un- ternehmen einer der Erfolgsfaktoren. Das Statistische Amt, als Data Science Kompetenzzentrum des Kantons Zürich, hat darin viel Er- fahrung.
Matthias Mazenauer,
stellvertretender Leiter Statistisches Amt Kanton Zürich
  Wussten Sie, dass jährlich im Kanton Zürich 7000 neue Unternehmen gegründet werden – dies ist fast ein Fünftel aller Neugründungen in der Schweiz.
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